Georg Jensen, Kanne auf Rechaud, Kopenhagen 1919

Große Kanne auf Rechaud
Georg Jensen, Johan Rohde
Kopenhagen 1919
frühes Sammlerstück

Kategorie:

Beschreibung

Große Kanne auf Rechaud
Model 45
Georg Jensen, Johan Rohde

830er Silber, Ebenholz
Mod.: 45
Entw.: Johan Rohde
Ausf.: Georg Jensen
Kopenhagen 1919
Sehr frühes Sammlerstück
Maße: H: 36cm, Ø: Sockel: 17cm, B: Kanne: 20cm,
Gewicht: 1643g

Literatur:
Georg Jensen, “ Holloware, The Silver Fund Collection“ S. 68
Georg Jensen,  „Georg Jensen, 20th. Century-Design“, S.9
“ Georg Jensen, Scandinavian Design for Living“, S. 47
„Georg Jensen, A Tradition of Spendit Silver“, S. 223

Grosser Wasserkessel aus dem wohl berühmtesten Entwurf von Johan Rohde, dem „Cosmos“.
Der Kessel mit Rechaud (Wärmer) ist eine Einheit.
Das Rechaud steht auf einem runden, leicht erhöhten Stand. Sich daraus erhebend und in ebenfalls runder Form, befindet sich der polygonale, mehrfach getreppte und mit feinen Achtergruppen von Perlverzierungen versehene Sockel. Dieser ist hohl, da er das Brennergefäß enthält, welches in den Sockel eingelassen ist.
Der Deckel und das Rädchen zur Einstellung des Dochtes sind in floraler Form gearbeitet und stehen so ein wenig im Kontrast zur fast geometrischen Anordnung des Sockels. Das war übrigens ein typisches Merkmal von Johan Rohdes Entwürfen.
Die nach außen weit ausschwingenden zweifachen Halterungen sind jeweils aus doppelten Rundstäben gearbeitet und fügen sich am oberen Ende wieder in sehr feiner floraler Verzierung zusammen. Dort bilden sie die Aufnahme für den Kessel.
Dieser hat einen flachen Stand und die Wandung ist schlicht und leicht gehämmert. Diese gilt auch für das Rechaud.
Im unteren Drittel der Kanne sind feine vertikale Zierrillen angeordnet, die einen leicht geschweiften Abschluß haben.
Der Korpus der Kanne verjüngt sich nach oben stark und schließt mit einem aufgesetztem Deckel mit Knauf ab.
Die aufgesetzte Schnaupe ist kurz und kräftig und hat eine sehr leichte Volutenform.  Die Aufnahme der Kanne auf dem Rechaud bestehen aus dopptelten kleinen, seitlich abstehenden Stäben. Sie wird in die Halterung eingesetzt und kann solmit zum Gießen gekippt werden.
Die Kanne verfügt anstelle einer Handhabe über einen Henkel. Dieser erhebt sich unterhalb des Deckels und auch hier finden sich die wunderbaren floralen Elemente als Ansatz.
Der Henkel ist im oberen Drittel mit Ebenholz versehen, der gleichzeitig als Isolator dient. Seitlich davon ist er jeweils wieder polygonal gearbeitet, welches ein sich wiederholendes Element der Sockelarchitektur ist.

Es handelt sich um ein seltenes frühes Stück. Der Entwurf von Rohan Rohde stammt aus dem Jahr 1915. Dieses Stück stammt aus dem Jahr 1919.
Der Kessel und das Rechaud sind im allerbesten Zustand. Es ist ein sehr elegantes Stück und das Highlight des „Cosmos-Entwurfes“ von Johan Rohde.

Johan Rohde (1856-1935)

war ein dänischer Maler, Lithograf und Designer.
Er war der Hauptbegründer von Den Frie Udstilling, die 1891 gegründet wurde, um Künstlern die Möglichkeit zu geben, Werke auszustellen, die nicht unter die Auswahlkriterien der Kunstakademie in Kopenhagen fielen.

Geboren in Randers, wo er 1875 sein Abitur ablegte, studierte er zunächst Medizin, bevor er sich der Kunst und der Malerei zuwandte.
Nachdem er privat bei Wenzel Tornøe studiert hatte, trat er 1881 in die Kunstakademie in Kopenhagen ein.
Unzufrieden mit der Weigerung der Institution, moderne Trends zu akzeptieren, verließ er sie nach weniger als einem Jahr zusammen mit einer Reihe anderer Studenten.

Danach studierte er an der neu gegründeten Kunstnernes Studieskole (Studentenschule) unter Laurits Tuxen und P.S.Krøyer (1883-1886).

Rohde stellte erstmals auf der Frühjahrsausstellung in Charlottenborg 1888 aus.
Als seine Bilder später von der Akademie abgelehnt wurden, zusammen mit denen von Vilhelm Hammershøi, Fritz Syberg, Joakim Skovgaard und Julius Paulsen, arrangierten er und Rasmus Christiansen 1888 eine Ausstellung der abgelehnten Werke in ihrem Atelier.

1890 gründete er mit J.F. Willumsen, Hammershøi, Harald und Agnes Slott-Møller und Christian Mourier-Petersen Den Frie Udstilling, wo er zeitlebens ausstellte.

Rohde reiste viel und stellte nicht nur seine Werke aus, sondern spielte bis 1914 eine Schlüsselrolle für die dänische Kunst, indem er neue Trends verfolgte, neue Kontakte knüpfte und sorgfältig formulierte Artikel in den dänischen Zeitungen schrieb.

Er hatte ein Auge für wertvolle Werke und kaufte 1892 ein Gemälde von Van Gogh in Paris (heute in der Ny Carlsberg Glyptotek).
Er arrangierte auch eine Ausstellung von Van Goghs Werken in Den Frie 1893.

Seine eigenen Werke aus den 1890er Jahren sind vom Symbolismus beeinflusst, insbesondere seine Porträts.
Er machte sich die damalige Bewegung zu eigen, und entwickelte eine künstlerische Sensibilität für Gegenstände des täglichen Lebens. Er entwarf Möbel, Silberwaren und Tafelgeschirr für sein eigenes Zuhause.

Er traf Georg Jensen zum ersten Mal 1906, als er Jensen beauftragte, einen seiner Entwürfe für Tafelgeschirr auszuführen. Diese Zusammenarbeit war so erfolgreich, dass die beiden Männer beschlossen, weiterhin zusammenzuarbeiten. Sie schloßen 1913 einen Vertrag, der der Beginn der  Zusammenarbeit bis zu beider Lebensende im Jahr 1935 war.
Rohde fertigte Entwürfe und Jensen führte die Stücke aus. In den ersten Jahren der Silberschmiede von Georg Jensen gab es größtenteils zwei Designer, Jensen und Rohde.
Ihre Stile waren recht unterschiedlich. Jensen entwarf nach dem Arts-and-Crafts-Stil mit beträchtlicher Ornamentik. Jensen fertigte häufig flüchtige Skizzen, die die Silberschmiede dann umsetzten mußten. Rohdes Stil war kontrollierter, und  spielte die Ornamentik zugunsten von Form und Linie herunter.
Er arbeitete solange an einem Entwurf, bis er ihn für die Umsetzung geeignet hielt.
So entwarf er das Kaffee-Tee Service „Cosmos“ und Besteck, „Acorn/ Konge“, das bis heute beliebt und berühmtest ist.

Mindestens ebenso wichtig ist, dass der Erfolg dieser Zusammenarbeit Jensen ermutigte, andere Designer hinzuzuziehen, die frische Ideen und neue Energie in das Unternehmen einbrachten.

Mit seinen hochwertigen Silberentwürfen für Georg Jensen, sowie Möbeln im klassischen und japanischen Stil, spielte Rohde  eine wichtige Rolle in der Entwicklung der dänischen Handwerkskunst.
Im Jahr 1934 wurde Rohde mit der Thorvaldsen-Medaille ausgezeichnet.

(Wikipedia, GEORG JENSEN HOLLOWWARE, THE SILVERFUND COLLECTION, David A. Taylor & Jason W. Laskey, 2003)

Georg Arthur Jensen (1866-1935)

„Durch seine Kindheit in der malerischen Umgebung von Raadvad nördlich von Kopenhagen wurde Georg Jensen dazu inspiriert Künstler zu werden. Er schaffte es, sowohl Bildhauer als auch Keramiker zu werden, aber die größte Anerkennung erlangte er durch sein Talent als Silberschmied.
Die Silberschmiede von Georg Jensen schuf einige der originellsten und epochemachenden Schmuckstücke, Hohlkörper und Besteckmuster.
Bei Georg Jensens Tod im Jahr 1935 war die Schmiede als eine der bedeutendsten Silberschmieden der Welt anerkannt.

Der Designer
Georg Jensen war maßgeblich daran beteiligt, den Charakter des skandinavischen Designs des 20. Jahrhunderts zu definieren, indem er auf dänische Traditionen zurückgriff und sie mit einem progressiven Designgedanken verknüpfte. Er lehnte den populären Zeitgeschmack für romantische und historisierende Ornamente und Prunk ab und wandte sich stattdessen dem avantgardistischen Jugendstil mit seinen einfachen, organischen Formen und seinem handwerklichen Ansatz bei der Herstellung zu.
Georg Jensen war ein sensibler Künstler, der mit einem großen Talent ausgestattet war, das es ihm ermöglichte, seine Visionen in die Realität umzusetzen.

Sein Stil
Die reizvollen Natureindrücke aus Georg Jensens Kindheit und Jugend wurden vom erwachsenen Künstler immer wieder aufgegriffen und verarbeitet – sogar noch bewusster. Er schuf einen einzigartigen Stil, der sich unter anderem durch die hohe handwerkliche Qualität, das skulpturale Element des Designs, die innovative und sinnliche Verwendung von Ornamenten aus Flora und Fauna, die Hammerschläge auf den Oberflächen des Silbers, die Oxidation aller Rillen und Vertiefungen der Silberstücke und die Verwendung von farbigen Edelsteinen auszeichnet.

Von dem Moment an, als er 1904 seine Silberschmiede eröffnete, setzte Georg Jensen einen Akzent für sein Unternehmen, der dessen Kurs für die nächsten Jahrzehnte bestimmen sollte. Sein innovativer Geist, seine tadellose Handwerkskunst und seine skandinavische Designsensibilität sollten zu seinen Markenzeichen werden.

Jensen war ein Mann mit vielen Talenten, der eine Lehre als Goldschmied und eine Ausbildung als Bildhauer absolvierte und schon früh eine Tradition der Zusammenarbeit mit kreativen Talenten außerhalb der Schmiede begründete. Er vertraute auf sein Auge und sein Können, wollte aber mehr als seine eigene Perspektive. Diese Partnerschaften trugen dazu bei, die Marke als einen Ort voller neuer Ideen zu etablieren; sein Atelier wurde zur Heimat einer Gruppe außerordentlich talentierter Silberschmiede und Metallarbeiter, Juweliere, Designer und Künstler.“

(georgjensen.com)

Georg Jensen, Kanne auf Rechaud, Kopenhagen 1919
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