Beschreibung
Johann Georg Müller
„Blaues Früchtestilleben“
Johann Georg Müller
„Blaues Früchtestilleben“
Öl auf Karton auf Leinwand
Monogr. unten rechts
Deutsch 1970-70
RM H: 56cm, B: 63cm
BM H: 26cm, B:32cm
Johann Georg Müller schuf dieses blaue Früchtestillleben in den 1970er-Jahren. Das Motiv zeigt eine mit Obst gefüllte Schale – ein klassisches Sujet, das der Künstler jedoch in abstrahierter Form interpretiert. Dominierend ist die Farbe Blau, die in zahlreichen Nuancen eingesetzt wird und das gesamte Gemälde prägt. Sämtliche Gegenstände erscheinen in unterschiedlichen Variationen dieser Farbwelt.
Besonders charakteristisch ist Müllers Spiel mit Proportionen und Größenverhältnissen. Der dargestellte Raum wirkt auffallend klein, während die Schale überdimensioniert erscheint. Auch die Früchte sind im Verhältnis zur Schale ungewöhnlich groß dargestellt. Durch diese bewusste Aufhebung räumlicher Proportionen entsteht eine spannungsvolle Komposition, die den Blick des Betrachters herausfordert.
Die monochrome blaue Farbpalette verstärkt diesen Effekt zusätzlich: Erst beim genaueren Hinsehen offenbart sich das raffinierte Spiel mit Perspektive, Raum und Größenverhältnissen.
Das Werk zeichnet sich durch seine intensive Farbwirkung und die außergewöhnliche Anordnung des Sujets aus. Es spiegelt die unorthodoxe Arbeitsweise wider, für die Johann Georg Müller bekannt war. Das Gemälde befindet sich in hervorragendem Zustand und stellt ein sammelwürdiges Werk dar.
Johann Georg Müller (1913-1986)
Nach dem Abitur am Realgymnasium und einer Lehre als Zimmermann immatrikulierte sich Johann Georg Müller 1934 für Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Darmstadt. Er wechselte ins gleiche Fach nach München, wo er nach kurzer Zeit das Studium aufgab. In der dortigen Pinakothek schulte er sich autodidaktisch an Werken von Wilhelm Leibl und Hans Holbein.
Ab 1937 war Müller freischaffend tätig, doch wurde er schon im folgenden Jahr von den Nationalsozialisten mit einem Ausstellungsverbot belegt. Nach dem Krieg beschäftigte er sich mit den druckgrafischen Techniken Holzschnitt, Radierung und Lithografie. Er nahm 1949 an einer Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (APK) teil, was er bis 1979 fortsetzte. Er wurde Mitglied der Neuen Pfälzischen Gruppe. Im folgenden Jahr erhielt er ein einjähriges Atelierstipendium auf dem Asterstein in Koblenz, wo er seither wohnte und sich der Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein (AKM) anschloss. Ab diesem Zeitpunkt wandte er sich vermehrt der Malerei zu. In den kommenden Jahren wurden seine Gemälde und druckgrafische Arbeiten in verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen mehrfach in Rheinland-Pfalz in Koblenz, Kaiserslautern, Ludwigshafen und Prüm, überregional in Frankfurt, München, Hamburg und Darmstadt und international in Paris und Seattle gezeigt. 1956 erhielt er den Pfalzpreis für Malerei. Vier Jahre später wurde er mit dem Förderpreis für junge Künstler des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Nach einem Kreta-Aufenthalt wurde er zu einer Werkgruppe der Pflanzenbilder inspiriert. 1965 wurde er Mitglied der Pfälzischen Sezession. 1983 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Koblenz.
Müllers Schaffen war durch Stilpluralismus gekennzeichnet. Der realen Welt setzte Müller eine mentale, transformierte Bildwelt entgegen, indem er die gewählten Bildmotive derart verfremdete, dass sie nur noch als Chiffren einer äußeren Wirklichkeit wahrzunehmen sind.







