Silber Girandole, Wolfers Frères, Brüssel 1890

Silber Girandole
Wolfers Frères
Entw.: EB ?
Brüssel 1890

Beschreibung

Silber Girandole
Wolfers Frères
6-flammig

Silber Girandole

800er Silber
Mod.: C A 102
Entw.: EB ?
Ausf.: Wolfers Frères
Brüssel um 1890
Louis Wolfers-Marke mit W und Eberkopf, A800,
EB im Vierpass, Krone/Halbmond
H.: 18,2cm, 1125g

Dieses Girandole wurde von Wolfers Frères in der Zeit um 1890 ausgeführt. Sie ist in 800er Silber gearbeitet und steht auf polygonalem Stand, der sich in in verjüngender und mehrfach profilierter Form nach oben erhebt. Der eigentliche Leuchterschaft hat eine glatte Wandung, auch er verüngt sich konisch nach oben. Direkt am oberen Ende befinden sich sechs polygonale Leuchterarme, die in S-Volutenform nach außen streben. Die Leuchtertüllen und die oberen und unteren Wachsteller nehmen die Form des polygonalen Schaftes wieder auf.
Diese Girandole ist sehr aufwendig gearbeitet und ist von hoher handwerklicher Qualität. Die sechs Leuchterarme sorgen für eine intensive Lichtquelle und die Höhe ermöglicht es, das Stück in jede Tischdekoration zu integrieren. Es ist Highlight derselben.
Die Girandole befindet sich im hervorragenden Zustand und ist nicht nur ein eleganter Gebrauchsgegenstand, sondern auch ein seltenes Sammelobjekt.

Wolfers Frères (1852-1975)

Das Haus Wolfers Frères ist ein traditionsreiches belgisches Juwelier‑ und Goldschmiedehaus, das im 19. Jahrhundert in Brüssel zu internationalem Ruhm gelangte. Es ist bis heute vor allem für seine Arbeiten im Jugendstil (Art Nouveau) und später im Art Déco bekannt.

Die Goldschmiedetradition der Familie Wolfers reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück und hat ihren Ursprung in Minden in Deutschland.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ sich die Familie in Brüssel nieder und baute dort eine Werkstatt für Silberwaren und Tafelgeschirr auf, wodurch sich der Name Wolfers in Belgien rasch als Synonym für hochwertige Gold‑ und Silberschmiedearbeiten etablierte.Der eigentliche Aufstieg beginnt mit Louis Wolfers (1820–1892), der Mitte des 19. Jahrhunderts eine eigene Firma gründete und ab 1852 mit seinem Meisterpunze – einem Wildschweinkopf mit dem Buchstaben W – die Stücke der Maison kennzeichnete.In den 1890er‑Jahren trat die nächste Generation ein: Louis’ Sohn Philippe sowie weitere Familienmitglieder; 1897 wurde der Firmenname in Wolfers Frères („Gebrüder Wolfers“) geändert, um den Charakter eines Familienunternehmens zu unterstreichen.

Philippe Wolfers (1858–1929) entwickelte sich zu einer der führenden Figuren des belgischen Jugendstils und wird oft als „belgischer René Lalique“ bezeichnet, weil er Naturmotive, japanische Einflüsse und fließende Linien in einzigartigen Schmuck‑ und Silberentwürfen verband.Zwischen etwa 1897 und 1905 schuf er eine Serie von hochkünstlerischen Einzelstücken, die er als „exemplaire unique“ kennzeichnete; diese Kleinserie von nur rund 131 Unikaten gilt heute als Kern seines künstlerischen Œuvres und machte Wolfers Frères zur wichtigsten Jugendstil‑Juwelieradresse Belgiens.

1912 eröffnete Wolfers Frères ein neues, repräsentatives Geschäft in der Brüsseler Rue d’Arenberg, dessen Architektur und Inneneinrichtung vom berühmten Jugendstilarchitekten Victor Horta entworfen wurden.

Die vollständige Ladeneinrichtung wurde 1973 von der Familie Wolfers an das Musée Art & Histoire (Museum für Kunst und Geschichte) im Brüsseler Parc du Cinquantenaire übergeben und ist dort als Rekonstruktion des historischen Wolfers‑Geschäfts zu sehen.

Um 1905 wandte sich Philippe zunehmend der Skulptur zu; sein Sohn Marcel Wolfers (1886–1976) prägte in der Zwischenkriegszeit die Art‑Déco‑Entwürfe des Hauses, darunter eine vielbeachtete Ausstattung für den belgischen Pavillon der Pariser Exposition des Arts Décoratifs 1925.Die Firma bestand erfolgreich bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts und belieferte unter anderem auch Weltausstellungen; die Produktion der historischen Maison Wolfers Frères endete schließlich 1975, auch wenn der Name Wolfers in Belgien bis in die Gegenwart mit hochwertiger Juwelierskunst verbunden bleibt.

(wolfers, ernst faber, gallerase)
Silber Girandole, Wolfers Frères, Brüssel 1890
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